29.07.2020

Blick in die Sammlung: Yasuo Sumi, Work

Die japanische Künstlergruppe Gutai nimmt in der Sammlung Reinhard Ernst einen besonderen Platz ein. Neben den europäischen VertreterInnen der abstrakten Kunst werden so auch japanische Kunstpositionen präsentiert und in Dialog mit ihren europäischen ZeitgenossInnen gestellt.

Yasuo Sumi war seit 1955 Teil von Gutai und experimentierte – ganz im Sinne der Gruppenidee – mit verschiedenen außergewöhnlichen Malwerkzeugen. Er trug die Farbe mit Alltagsgegenständen wie einem Kamm auf die Leinwand auf, versuchte aber auch vibrierende Motoren zum Farbauftrag zu nutzen. Über vier Jahre arbeitete der japanische Künstler an dem Gemälde, das sich in der Sammlung Reinhard Ernst befindet. In diesem Fall nutzte er einen japanischen Rechenschieber, einen sogenannten „Soroban“, als Malwerkzeug. Die Spuren der einzelnen Holzperlen ziehen sich deutlich durch die pastose Farbe und sind auf der gesamten Bildfläche zu erkennen. Das Wort „Soroban“ entwickelte sich zu einem Synonym für Sumis Technik des Farbauftrags mit unterschiedlichen Objekten des täglichen Lebens.

Der aus Osaka stammende Künstler lebte von 1925 bis 2015. 1950 schloss er in Osaka ein Wirtschaftsstudium ab und arbeitete anschließend als Lehrer für Mathematik. Durch Zufall entdeckte er – während er mit dem befreundeten Künstler Shōzō Shimamoto malte –, dass der Rechenschieber nicht nur als Arbeitswerkzeug im Unterricht nützlich war, sondern außerdem beeindruckende Farbspuren auf der Leinwand hinterließ.

Mit der Aufnahme in Gutai präsentierte Sumi seine Arbeiten regelmäßig in den Ausstellungen der Gruppe, nahm aber auch an zahlreichen internationalen Schauen in Europa und den USA teil.

Yasuo Sumi, Work, 1958-1962, Mischtechnik auf Leinwand