© VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Éclatement, 1955

Judit Reigl (* 1923, HUN)

Medium: Öl auf Leinwand
Größe: 192,5 x 207,5 cm

über das Werk

Die ungarische Künstlerin ist eine der Überraschungen in der Sammlung Reinhard Ernst. Bisher weitgehend unbekannt, überzeugen ihre energiegeladenen Werke und manifestieren ihre Stellung in der europäischen Nachkriegskunst. Nach dem Kunststudium an der Akademie in Budapest und Rom fand sich die Künstlerin 1948 in einem von der Diktatur geprägten Heimatland wieder. Anfang der 1950er-Jahre floh Judit Reigl von Ungarn nach Paris, da sie in ihrer künstlerischen und individuellen Freiheit Einschränkungen durch die politische Situation erfuhr. In der französischen Hauptstadt kam sie zunächst bei ihrem Studienfreund Simon Hantaï unter, durch den sie André Breton, den Wortführer der Surrealisten, kennenlernte. Von der surrealistischen Technik der écriture automatique begeistert, ging Reigl in der wiedergefundenen freien Ausdrucksweise auf und entwickelte diese für sich weiter: Ihr Ziel war und ist es nach wie vor, einen mentalen und physischen Automatismus zu erlangen. Dafür arbeitet sie mit ihrem ganzen Körper, füllt den gesamten Bildraum mit Bewegung, Rhythmus und Tempo. Sie schleudert ganze Farbeimer auf die großformatigen Leinwände. In genau diese Zeit ist das Werk Éclatement (dt. Explosion) aus der Sammlung Reinhard Ernst einzuordnen. Unter dem Titel Outburst entstand eine ganze Werkserie, die sich der kreativen und individuellen Freiheit zuschrieben lässt, die Reigl in den 1950er-Jahren in Paris erfuhr. Gemeinsam mit Simon Hantaï wurde Judit Reigl Teil der aufstrebenden informellen Kunstszene in Frankreich: Sie bewegten sich in Kreisen um Michel Tapié und Hans Hartung und stellten 1956 gemeinsam mit Georges Mathieu aus. Die heute 96-Jährige Künstlerin lebt und arbeitet trotz ihres hohen Alters in Marcoussis nahe Paris. Dabei offenbart ein Blick auf ihr Gesamtœuvre dessen große Bandbreite, da sich dort sowohl abstrakte als auch figurative Arbeiten wiederfinden. Die Kunst von Judit Reigl überrascht und ihrem Werk wird durch die Präsentation in der Sammlung Reinhard Ernst eine neue verdiente Anerkennung zuteil.

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